Maids Day off in Hong Kong

Erschienen am 21. Juni 2019

Nachdem uns Rafaels Onkel, vom „Maids Day off in Hong Kong“ erzählt hatte, waren wir neugierig und wollten das selbst in Augenschein nehmen. Wir konnten uns das gar nicht so richtig vorstellen, als er uns erzählte, dass sich sonntags tausende von Maids treffen. Also machten wir uns am Sonntag, nach dem Frühstück, auf den Weg Richtung Zentrum. Von Weitem, sahen wir sie schon. Unzählige Filipinas saßen am Boden auf Kartons und belagerten das Geschäftsviertel.

Jeden Sonntag treffen sich über 300.000 ausländische Dienstmädchen (Maids) auf öffentlichen Plätzen. Die meisten von ihnen sind Filipinas, gefolgt von Frauen aus Indonesien. Wie wir später heraus fanden, treffen sich die philippinischen Frauen eher im Geschäftsviertel, wobei sich die Frauen aus Indonesien meistens in der Causeway Bay oder im Victoria Park aufhalten.

Warum kommen die Maids nach Hong Kong?

Viele von Ihnen arbeiten 18 Stunden am Tag, 6 Tage in der Woche. Neben kochen, putzen, einkaufen gehen und die Wäsche waschen, kümmern sie auch um die Kinder ihrer Arbeitgeber. Sie leben und arbeiten in einer der reichsten Städte der Welt und nur die Glücklichen unter ihnen haben einen eigenen kleinen Raum ohne Fenster oder ein eigenes Bett. Viele der Dienstmädchen sind gebildete Frauen und manche haben sogar einen Universitätsabschluss. Dennoch arbeiten sie als Maid in Hong Kong. Denn hier verdienen sie, wenn es auch für die Verhältnisse in Hong Kong wenig ist, dreimal so viel wie daheim. Über die Hälfte des Geldes, welches sie in Hong Kong verdienen, schicken sie zu ihrer Familie nach Hause.

Was genau ist der Maids Day off in Hong Kong?

Wir haben herausgefunden, dass die ausländischen Dienstmädchen per Gesetz, einen Tag in der Woche frei haben, meistens an einem Sonntag. Und so ist das sonntägliche Treffen der über 300 000 Maids mittlerweile schon zu einer Tradition in Hong Kong geworden.

Was machen die Maids an ihrem freien Tag?

Die meisten Filipinos sind katholisch und sehr gläubig. Das heißt, ihr Sonntag beginnt mit dem wöchentlichen Gang in die Kirche. Danach treffen sich viel der Filipinas, wie schon erwähnt, im Geschäftsviertel. Sie versammeln sich rund um das Central Building, von der Pedder Street bis zur Ice House Street.

Da waren wir also und sahen es mit unseren eigenen Augen. Tausende von philippinischen Frauen saßen am Boden. Die meisten von ihnen auf Kartons oder Decken. Sonntag ist ihr einziger freier Tag, da kann man es gut verstehen, dass sie ihre Freunde treffen wollen. Leute aus dem gleichen Land, mit der gleichen Herkunft, denselben Fragen und vielleicht sogar Problemen. Wir mischten uns unter die Menge und beobachteten das rege Treiben.

Wir sahen sehr viele der Maids essen. Sie hatten philippinisches Essen in Plastikboxen mit, das sie dann gemeinsam aßen, um das Heimweh ein bisschen zu lindern. Doch wenn ihr jetzt denkt, es handelt sie bei diesen Treffen und ein Trauerspiel, dann liegt ihr falsch. Die Frauen, die wir sahen, wirkten keineswegs niedergeschlagen auf uns, im Gegenteil.

Sie lachten, hatten Spaß und tanzten auf der Straße. Sie rauchten und tranken Alkohol und machten das beste aus ihrem freien Tag. Einige sangen Karaoke und andere hörten zu und genossen die Show. Weitere waren damit beschäftigt ihrer Bekannten die Haare zu flechten oder die Fingernägel zu feilen und zu lackieren. Manche machten Sport oder Yoga und einige spielten Karten. Andere wiederum hörten Musik und unterhielten sich über Gott und die Welt. Über was sie sprachen, kann ich euch leider nicht sagen, dazu hätte ich vorher philippinisch lernen müssen.

Geschenke für die Familie

Dann fielen uns die vielen Kartons auf, die wir überall verteilt in der Menschenmenge sehen konnten. Einige von den Frauen stopften alle möglichen Dinge in diese Pappkartons. Unter anderem Kleidung, Deko, Kosmetikartikel, Süßigkeiten und sonstigen Krimskrams. Die Kartons wurden dann mit einer philippinischen Adresse versehen und gut verschlossen. Viele der philippinischen Maids schicken Geld und Geschenke an ihre Familie nach Hause.

Wer braucht schon Originalware?

Wir beobachteten Händler, die am Rand der Massen am Boden saßen und einige Dinge zum Kauf anboten. Von diverser Kleidung, über Handtaschen und Brieftaschen, bis hin zu elektronischem Zubehör, hatten sie alles in ihrem Sortiment. Die meisten der Artikel, die sie an die Frau bringen wollten, waren gefälschte Markenware.

Dieses Bild regt einen wirklich ein bisschen zum Nachdenken an. Im Vordergrund sieht man tausende Maids, die eisern sparen und jeden Cent zweimal umdrehen. Im Hintergrund befinden sich Läden wie beispielsweise Luis Vuitton, Prada, D&G und Co. Davor Frauen, die gerade mit einem Plagiat dieser Luxus Marken gekleidet sind und auf Kartons am Boden sitzen. Und hinter ihnen kann man die originale 4000 € Handtasche im Schaufenster sehen. Wie verrückt die Welt doch eigentlich ist.

Was wäre Hong Kong ohne seine Maids?

Eine Maid, die in Hong Kong arbeitet, hat die ersten zwei Jahre gerade einmal Anspruch auf 7 Tage Urlaub im Jahr. Mit den Dienstjahren erhöht sich der Urlaubsanspruch. Nach neun Jahren als Maid in Hong Kong ist dann das Maximum von 14 Tagen Urlaub erreicht. Vielleicht könnt ihr jetzt besser verstehen, warum dieser freie Sonntag für die Frauen so wichtig ist. Viele nutzen die Zeit auch, um ihre Lieben über Skype zu erreichen und mit ihnen zu telefonieren.

Das Leben der Dienstmädchen in Hong Kong ist sicher nicht immer einfach, aber sie sind ein positives Volk und machen das Beste daraus. Abgesehen davon, sind die meisten ja freiwillig da und genießen das Großstadtleben so gut es eben geht.

Ich möchte euch noch sagen, dass wir diese Frauen für ihr Durchhaltevermögen bewundern und respektieren. Wir sehen sie keineswegs als Sehenswürdigkeit oder sonstiges. Für die Einwohner von Hong Kong, gehört der Maids Day off und der Sonntag einfach zusammen. Sie haben sich längst daran gewöhnt, sonntags belagerte Stadtteile vorzufinden. Für die Hongkonger ist das ganz normal, aber für Besucher ist das ein ganz besonderes Bild. Und viele der Frauen die tanzen oder singen, freuen sich immer wieder über neues Publikum.

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Johann Funk

Ja, sie machen das Beste draus und versuchen ihren Familien zu helfen. Ich bewundere sie auch sehr. Leider sind sie aber auch der Beweis der fehlenden Gerechtigkeit auf Erden und viele ihrer Sehnsüchte werden sie nicht erreichen, auch wenn sie sich noch so sehr bemühen. Diese fehlende Gerechtigkeit können wir nicht ändern. Aber ich kann dankbar sein für alles was ich erleben darf, und ich gratuliere euch zu euren tollen Ausflügen.

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